Geschichte

Geschichte der Bergkapelle 1870 e.V.
von Peter-Lorenz Könen

Es folgt die Zeit des Hitlerregimes. Die Zeit von 1933-1945


Die Mechernicher Musikvereinigung wurde der SA unterstellt und als NSBO-Kapelle bezeichnet. Erstmals trug eine Musikkapelle in Mechernich wieder eine Uniform, die Braune.

Mechernich um 1938. Quelle: Stadtarchiv Mechernich

Mechernich um 1938. Quelle: Stadtarchiv Mechernich

Die NSBO-Kapelle tritt in der Folgezeit bei öffentlichen Veranstaltungen, vorwiegend partei-politischer Art, auf, u.a. beim Reichsparteitag in Nürnberg, Karnevalszug in Mechernich und zum 1.Mai. Im Jahre 1942 kommt die Vereinstätigkeit gänzlich zum Erliegen, zumal wiederum viele Mitglieder zum Kriegsdienst einberufen wurden. Jedoch unternahm die Werksführung kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges einen erneuten Versuch eine Bergkapelle neben der NSBO-Kapelle zu reaktiven, was aber an den bestehenden Machthabern scheiterte. Die NSBO- und die Werksfeuerwehr waren keine Rechtsnachfolger des Knappen-Harmonie-Vereins.

Die Nachkriegsjahre und der Neuaufbau (1945- 1971)

Will man über den Neubeginn der Bergkapelle nach dem zweiten Weltkrieg schreiben, so kann man nur ein aus Zeitungsfragmenten zusammengesetzter Text erzeugen. Dieser würde aber nicht den Zeitgeist und die Aufbaustimmung der damaligen Zeit wiedergeben können. So soll an dieser Stelle Auszüge aus einem Aufsatz von Erich Beyreuther und Hubert Mönikes stehen. Ersterer war die Triebfeder zum Neubeginn.
"Es ist bei den meisten Gruben Tradition, dass bei feierlichen Anlässen die Berg- und Hüttenleute mit Blasmusik aufmarschieren. Auch in Mechernich war nach dem ersten Weltkrieg noch ein Stamm aus der früheren Knappenkapelle vorhanden. Die Werksleitung der Gewerkschaft Mechernicher Werke regte daher des Öfteren den Gedanken an, eine Bergkapelle neu zu gründen. Immer aber fehlte der geeignete Mann, welcher die Leitung übernehmen sollte. Durch den zweiten Weltkrieg wurden zunächst alle Pläne der Werksleitung in dieser Richtung hin zunichte gemacht. Als nach dem Krieg das Werk wieder in Gang gebracht war und, wie bei anderen Werken der Preußag, auch hier in Mechernich wieder Jubilarehrungen vorgenommen wurden, machte sich das Fehlen einer Musikkapelle erneut bemerkbar. Nun war die Situation noch kritischer; denn die noch vorhandenen Musiker waren inzwischen noch um einige Jahre älter geworden und Nachwuchs so gut wie gar nicht vorhanden. Ein Belegschaftsmitglied des Werkes, nebenberuflich als Musiker tätig, griff den Gedanken erneut auf, nahm mit dem Bergwerksdirektor, Bergassessor a. D. Ehring, Rücksprache und schlug als Dirigenten einen jungen Berufsmusiker aus Mechernich vor, der bis dahin als erster Posaunist beim Südwestfunk tätig war.

Daraufhin wurden durch Aushang im Betrieb alle innerhalb der Belegschaft vorhandenen Musiker zur Mitwirkung aufgerufen.
Es meldeten sich 35 Berg- und Hüttenleute. In einer Versammlung am 24.11.1951 im Gasthof Bleiberg stellte die Werksleitung die Beschaffung von neuen Instrumenten in Aussicht, da nach Ansicht der Musiker mit den vorhandenen Instrumenten wegen der verschiedenen Stimmung kein Zusammenspiel möglich war. Der vorgeschlagene Dirigent, Peter-Krupp, wurde eingestellt, die erforderlichen Noten und Instrumente vom Werk aus gekauft und Anfang 1952 mit den Proben begonnen.
Der Anfang war nicht leicht. Für die Proben stand nur ein unbeheizter Raum im Baumagazin frei, bis im Frühjahr 1952 das Haus Kreuser in der Turmhofstraße für die Proben mit zur Verfügung gestellt werden konnte.
Die übliche Besetzung ist die für Blasmusik. Daneben besteht eine kleine Streichergruppe, so das bei besonderen Anlässen auch Liebhaber dieser Besetzung durchaus auf ihre Kosten kommen.
Der Nachwuchs ist durch 20 Schüler gesichert, die das Werk mit noch vorhandenen Instrumenten ausstattete und von dem Dirigenten auf Werkskosten ausbilden lässt. Bei intensiver Ausbildung haben unsere Schüler inzwischen gute Fortschritte gemacht.

Es begann die musikalische Blütezeit der Bergkapelle. Neben dem Stamm der alten Musiker wurden mit der Zeit die jungen Musiker miteingebaut. Peter Krupp leitete den nunmehr unter dem Namen "Bergkapelle" auftretenden Verein mit großem Erfolg. Im April 1952 gibt er sein erstes Konzert, dessen Erlös für den Altar der neuen Pfarrkirche bestimmt war.

Die Bergkapelle Mechernich in ihrer neuen Unform auf dem Weg zum Bergfest 1955

Die Bergkapelle Mechernich in ihrer neuen Unform auf dem Weg zum Bergfest 1955

Weitere Benefizkonzerte folgten, die u.a. für die Finanzierung neuer Kirchen-glocken, der farbigen Kirchenfenster im Lang-schiff, aber auch für die Beschaffung neuer Unifor-men bestimmt waren. Konzerte in Münstereifel, Kall, Heimbach, Gemünd und Niederbreisig, um nur einige zu nennen, bringt der Bergkapelle die Sympathie des Publikums ein. Beim 1.Mai Fest in Heimbach war das Fernsehen zugegen und trug das musikalische Können weit über die Landesgrenzen hinaus.
Mit der Stilllegung der Gewerkschaft Mechernicher Werke zum 31. Dezember 1957 verliert die Bergkapelle auch ihren Status als Werkskapelle.
Der in Diensten der Gewerkschaft stehende Peter Krupp wird als Dirigent weiter verpflichtet. Am 10. Januar 1958 bereits bildete sich die Vereinigung der Berg- und Hüttenleute in Mechernich e.V., laut deren Mitgliederbeschluss vom 10.Januar 1958 die Satzung festgelegt wird. Diese besagt, dass der Zweck des Vereins die Pflege der berg- und hüttenmännischen Tradition im Mechernicher Bergbaugebiet und die Fortführung der bisher schon bestehenden Bergkapelle der Gewerkschaft Mechernicher Werke ist. Somit wir sichergestellt, dass die Bergkapelle in ihrer bisherigen Form bestehen bleibt. Ein Höhepunkt im Vereinsleben ist die Mitwirkung bei der Einweihung der Rurtalsperre am 2. Mai 1959. Die Veranstaltung wird über Rundfunk und im belgischen Fernsehen ausgestrahlt.

Die Bergkapelle musiziert bei der Hochzeit eines Musikerkollegen 1957

Die Bergkapelle musiziert bei der Hochzeit eines Musikerkollegen 1957

Daraufhin wird eine Abordnung der Bergkapelle vom damaligen Rundfunkmoderator Walter Erasmy zur grünen Woche nach Berlin eingeladen. Die erstmals wieder nach 1957 stattfindenden Bergfeste in den Jahren 1969, 1970 und 1972 finden allseitige Beachtung. Ebenso die Gemeinschafts-konzerte 1969 und 1971 mit dem Musikverein Floisdorf in Mechernich. In Gemünd war die Kapelle fester Bestandteil bei den Kurkonzerten. In diesen Jahren fiel auch der Austausch mit anderen Musikvereinen. Viele spielten in der Bergkapelle mit. Anderseits unterstützten die Musiker der Bergkapelle die anderen Musikkapellen. Eine fruchtbare Zeit für alle Beteiligten.

1971 wird im Kölner Gürzenich Floisdorf und Eiserfey anlässlich der Aktion "Unser Dorf soll schöner werden" ausgezeichnet. Minister Deneke hatte im Vorfeld geäußert, das sein Wunschkandidat für die musikalische Umrahmung der Musikverein Cäcilia Floisdorf sei. Diesem Wunsch entsprach bei der Organisation des Verleihungsfestes auch die Gemeinde Mechernich im Brief vom 11.10.1971. Hiernach wurde der MV-Floisdorf als Musikkapelle für die Feierstunde im Kölner Gürzenich bestimmt. Unterstützt wurde der Verein von vielen Musikern der Bergkapelle.
Diese Veranstaltung ist gleichzeitig die letzte für Peter Krupp, den eine schwere Krankheit zwingt, sein Dirigentenamt niederzulegen. Peter Krupp dirigierte seit 1968 auch den Musikverein Floisdorf. Ein erneuter Aderlass begann. Mit dem Rücktritt von Peter Krupp legen viele Musiker ihr Instrument nieder. Der Nachfolger Clemens Stoffels übernahm ein fast aussichtsloses Amt als Dirigent in Mechernich und Floisdorf.

Die Bergkapelle von 1965

Die Bergkapelle von 1965

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